Kleine Kommunalwahlen: Drei Fragen an Claudia Stamm
Frischen Wind will die Landratskandidatin Claudia Stamm ab dem 11. März in den Landkreis Ansbach bringen und dabei mangelt es ihr nicht an Ideen: Kernpunkte ihrer Politik sind der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen und eine politische Kultur der Transparenz.
Die Landtagsabgeordnete legt großen Wert auf Offenheit und kämpft für eine mitfühlende und gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Mit Blick auf die Männerriege der Mitbewerber sieht sich die grüne Landtagsabgeordnete und haushaltspolitische Sprecherin im Vorteil.
gruene-mittelfranken.de: Was unterscheidet Dich von den anderen Kandidaten?
Claudia Stamm: Es gibt einen kleinen und großen Unterschied. Der kleine: Ich bin die einzige Frau ;-). Der große: Ich bin die einzige KandidatIn, die auf wirklich nachhaltige Politik setzt. Das heißt, ich setze auf nachhaltige Wirtschaftspolitik versus dem Glauben an kurzfristiges und vorgebliches Wirtschaftswachstum. Ich habe den Menschen im Blick und nicht vermeintliches Wachstum.
Eine grüne Landrätin gab es noch nie in Bayern. Was würdest Du nach Deiner Wahl als erstes anpacken?
Zwei Dinge: erstens würde ich mich für eine Informationsfreiheitssatzung einsetzen damit Bürgerbeteiligung kein leeres Wort bleibt. Der erste Schritt muss sein: Die Bürgerinnen und Bürger müssen informiert werden, die Verwaltung transparent arbeiten. Denn wenn man nicht hinreichend informiert ist, kann man auch nicht (mit)entscheiden. Zweitens würde ich eine Energieberaterin oder einen Energieberater einstellen. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie von unten aktiv betrieben wird. Doch dazu brauchen wir eine Fachkraft, die den Weg durch all die Förderanträge und Möglichkeiten weist.
Der demografische Wandel macht auch vor dem Landkreis Ansbach nicht halt. Was möchtest Du als Landrätin tun, damit der Landkreis für jung und alt lebenswert und attraktiv bleibt?
Wichtig sind die sogenannten weichen Standortfaktoren, d.h. Kinderbetreuung, die Schule vor Ort, der Bandproberaum für Jugendliche, ein Kino, aber auch schnelles Internet oder die medizinische Versorgung. Für viele Bereiche ist der Landkreis nicht zuständig, sondern eine Ebene darüber wie beim Beispiel der Schulen. Um so wichtiger ist es, dass sich Grüne Politik auch auf Landesebene durchsetzt. Wir wollen nicht starr an diesem Bildungssystem festhalten, sondern wir wollen eine Öffnungsklausel für Schulen. D.h. die Schulfamilie – Gemeinde, Schule und Eltern – sollen vor Ort entscheiden dürfen, was für eine Schule sie brauchen. Damit der Spruch "Kurze Beine –Kurze Wege" kein leerer Slogan bleibt, sondern endlich wahr wird; mit einer wohnortnahen Schule bleiben Gemeinden lebendig.
Für andere Bereiche wie Musikübungsräume und Kinderbetreuung ist die Kommune zuständig. Hier will ich all meine Erkenntnisse aus der Landespolitik und meine Erfahrungen als Journalistin einsetzen und gerne moderieren, Netzwerke bilden und neue Initiativen ins Leben rufen. Wenn all diese weichen Standortfaktoren nicht zufriedenstellend vorhanden sind, dann können die Grundstücke noch so billig sein. Es werden sich keine jungen Familien ansiedeln. In einem Bereich wäre ich zuständig: bei den Krankenhäusern. Hier ist für mich oberstes Gebot, die kommunalen Krankenhäuser in öffentlicher Hand zu behalten, um die medizinische Versorgung so optimal wie möglich für den Menschen zu gestalten. Keinenfalls darf sie dem reinen Profit unterworfen sein.
Links:
Fanseite von Claudia Stamm bei Facebook
"Claudia Stamm will Landrätin werden", Süddeutsche Zeitung, 22.10.2011
Kleine Kommunalwahlen: Drei Fragen an Wolfram Schaa

Im mittelfränkischen Zirndorf bewirbt sich Wolfram Schaa für das Amt des 1. Bürgermeisters. Der erfahrene Kommunalpolitiker kennt sich aus mit Kommunalpolitik und Wahlkämpfen: Er sitzt seit zehn Jahren im Stadtrat und ist nun zum dritten Mal Grüner Bürgermeisterkandidat.
gruene-mittelfranken.de: Welche Eigenschaften muss ein guter Bürgermeister mitbringen?
Wolfram Schaa: Das sind meines Erachtens nicht wenige, was ich aufgrund meiner bislang knapp 10-jährigen Stadtratsarbeit so resümieren kann. Er muss über den Tellerrand seiner Kommune und seiner Region hinausblicken, um Visionen, Chancen, Entwicklungen und Ressourcen in die Ratsarbeit und zum Wohle seiner Kommune erkennen und einfließen lassen zu können. Sprich, er muss Gestalter sein und nicht nur verwalten. Er muss stressresistent und seine Ausstrahlung immer freundlich und trotzdem bestimmt sein Dass er konsequent und ausdauernd sein muss versteht sich von selbst. Ebenso dass er immer über den Dingen und der Sache stehen muss. Mitbringen muss außerdem er gutes pädagogisches Geschick und Einfühlungsvermögen, sei es als Dienstvorgesetzter, als Vorsitzender des Stadtrates, aber auch dem Bürger gegenüber Wenn ich es mir so überlege, muss ein Bürgermeister ein gewisses Multitalent sein, das er, kombiniert mit einer guten Portion Lebenserfahrung, für seine Bürgerinnen und Bürger braucht. Ohne anmaßend sein zu wollen, glaube ich, beides in ausreichendem Maße zu besitzen, um dieser Aufgabe für die nächsten acht Jahre gewachsen zu sein.
Was braucht Zirndorf?
Zirndorf braucht – und daran arbeite ich ja nun schon länger - mehr Bürgerinitiative und –beteiligung um sich nachhaltig entwickeln zu können und den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Mehr Blick über den Tellerrand ist gefragt, sei es bei seiner Stellung innerhalb der Metropolregion Nürnberg oder bei seiner Daseinsvorsorge und Zukunftsfähigkeit. Ganz besonders braucht Zirndorf den Mut zu Veränderungen und kein "weiter so wie bisher" und einen Grünen Bürgermeister, der sich mit Kraft der nachfolgenden Aufgabe annimmt.
Die vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien und deren dezentrale Umsetzung ist eine grüne Kernforderung. Wie möchtest Du dieses Ziel vor Ort umsetzen?
Nachdem dieses Thema – neben Tschernobyl - ja einer der Beweggründe meines politischen Engagements ist, habe ich hier auch konkrete Vorstellungen. Als Kommune, die aufgrund ihrer Fläche und Geologie mit Potenzialen erneuerbarer Energien nicht sonderlich gesegnet ist, müssen letztendlich alle Register für die Energiewende gezogen werden. Ein in 2011 im Rahmen der Kommunalen Allianz entwickeltes Klimaschutzkonzept darf nicht länger in der Schublade liegen, sondern muss zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern mit viel Engagement verfolgt und umgesetzt werden. Dass die dort avisierten Ziele nachgebessert werden müssen steht für mich eigentlich schon jetzt fest. Auch ein Energiegutachten, das derzeit – von den Stadtwerken beauftragt – begonnen wurde muss danach konsequent umgesetzt werden. Die Energiewende in Zirndorf ist finanziell eine Herausforderung der besonderen Art, da wir bei derzeit etwa 1000 EUR Prokopfverschuldung mittelfristig nur wenig Gestaltungsspielraum haben. Hier kommen die Bürgerinnen und Bürger ins Spiel. Zusammen mit ihnen – z.B. in Form von Genossenschaften – möchte ich zusätzliches Potenzial (und Geld) für die Umsetzung der Energiewende gewinnen. Ob das Photovoltaik- oder andere Anlagen sind wird sich zeigen. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit ich die Bürgerinnen und Bürger auf den Weg mitnehmen kann, sprich die Bürger müssen es auch wollen! Zirndorf muss außerdem endlich in die Solarbundesliga aufsteigen, so lautet übrigens auch der Titel unseres "Zirndorfer Spiegels" aus 2004 (!).
Links:
"Wann, wenn nicht jetzt?", nordbayern.de, 15.12.2011
Alle grünen KandidatInnen für die kleinen Kommunalwahlen in Mittelfranken
Wolfram Schaa und Benedikt Bisping, 1. Bürgermeister Lauf

Kleine Kommunalwahlen: Drei Fragen an Paul Brunner

Am 11. März finden in Bayern die kleinen Kommunalwahlen statt. In Schwaig bei Nürnberg bewirbt sich Paul Brunner um das Amt des 1. Bürgermeisters.
Paul Brunner setzt auf einen "neuen, partnerschaftlichen Politikstil" und hat in den nächsten Wochen so einige Aktionen geplant, um sich und seine Politik den Bürgerinnen und Bürgern vorzustellen. So kommt z.B. am 14. Februar der grüne 1. Bürgermeister Benedikt Bisping aus Lauf an der Pegnitz zu einem Infoabend in die Gemeinde. Auch ein Fachgespräch zum Thema Mehrgenerationenhaus und Gemeindezentrum ist in Vorbereitung.
Gruene-bayern.de: Warum hast Du Dich entschieden, als Kandidat bei den Bürgermeisterwahlen in Schwaig anzutreten?
Paul Brunner: Wir von Bündnis 90/Die Grünen sind seit den Kommunalwahlen von 2002 im Schwaiger Gemeinderat vertreten. Wir konnten uns bei den folgenden Wahlen stets steigern und ich bin hoffnungsvoll, dass dieser Trend anhält. Ich möchte unsere grünen Anliegen als Kandidat sichtbar und hörbar herausstellen und unsren Gestaltungswillen dokumentieren. Das grüne und grünnahe Umfeld steht hinter meiner Kandidatur und nun wollen wir sehen, wie weit das trägt.
Auf welche Schwerpunktthemen setzt Du im Wahlkampf?
Wir in Schwaig sind annähernd schuldenfrei und besitzen dadurch die Möglichkeit, im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung zu gestalten. Im Bereich des kulturellen Angebotes oder bei der Jugendarbeit setzt die Gemeinde Akzente, die auch wir begrüßen. Auf anderen Gebieten ist die Gemeindepolitik jedoch zu zaghaft. Trotz unserer guten Lage und Verkehrsanbindung vor den Toren der Stadt Nürnberg schrumpft unsere Bevölkerung leicht. Wir planen im Bereich des Schwaiger Schlosses auf einer Brache, die schon im Besitz der Gemeinde ist, ein Gemeindezentrum mit Funktionen eines Mehrgenerationenhauses und barrierefreien Wohnmöglichkeiten. Insbesondere ältere MitbürgerInnen sollten dort auch ambulante Betreuung erhalten können. Der bereits existierende Schlosshof mit Bücherei und Scheune soll rund um das kulturell genutzte Schloss mit Verweil- und Treffmöglichkeiten weiter entwickelt werden und auch unserem samstäglichen Wochenmarkt offen stehen. Ferner will ich ausloten, wie wir mit gezielter Förderung junge Familien ansiedeln können. Die oft zu radikale Nachverdichtung durch Bauträger sehe ich skeptisch. Wir müssen den Spagat zwischen bezahlbaren Wohnungen und Eigenheimen einerseits und dem Erhalt von Bäumen und Grün andererseits bewältigen.
Es ist sicherlich mutig, mit einer Sehbehinderung anzutreten. Wie ist die Resonanz von den BürgerInnen, die Du deswegen bekommst?
Da der Wahlkampf erst beginnt, ist die Resonanz diesbezüglich noch gering. Wir haben meine Behinderung bei der Aufstellungsversammlung diskutiert und herausgearbeitet, dass ich dieses Alleinstellungsmerkmal nicht verdrängen oder verbergen will. Mit Hilfsmitteln, wie einem blindentechnischen Computerarbeitsplatz und persönlicher Assistenz, will ich diese Herausforderung annehmen. Ein Nebenprodukt könnte ein neuer, partnerschaftlicher Politikstil sein, für den ich stehe. Ich bin gelernter Sozialpädagoge und Kinderpfleger, habe knapp zwei Jahre im Kreistag und sieben Jahre im Bezirkstag kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt und hatte in den letzten 15 Jahren diverse Parteiämter inne. Ehrenamtliche Tätigkeiten in drei Vereinen bzw. Verbänden aus dem Sozialbereich bieten ein gutes Rüstzeug für die Aufgabe eines Bürgermeisters.
Links:
Homepage des Ortsverbands Schwaig
"Schwaiger Grüne schicken Brunner ins Rennen", Pegnitz-Zeitung vom 18.01.2012






